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Mannheim und Kilis schaffen berufliche Perspektiven für Geflüchtete

Zwei Männer schauen in Richung der Kamera, vor ihnen stehen jeweils ein türkische und deutsche Flagge. es
Hasan Kara, Bürgermeister von Kilis, und Dr. Peter Kurz, Oberbürgermeister von Mannheim, freuen sich über die Projektpartnerschaft und blicken optimistisch in die Zukunft. Foto: Stadt Mannheim
Das Projekt

Gemeinsam Verantwortung übernehmen

Mit dem Projekt „Gemeinsam wirksam – Kommunen und Religionsgemeinschaften entwickeln gemeinsam Perspektiven für Geflüchtete“ demonstrieren die Städte Mannheim und Kilis ein gelungenes Beispiel kommunaler Zusammenarbeit. Auf Initiative des Mannheimer Vereins „Arbeitskreis islamischer Gemeinden“ (AKIG) setzen sich die Kommunen für verbesserte Bildungs- und Berufschancen von geflüchteten syrischen Frauen in der südostanatolischen Stadt Kilis ein. Damit fördern sie Integrationsprozesse und eröffnen den Migrantinnen wichtige Zukunftsperspektiven.  Doch auch für Mannheim ist die Kooperation ein großer Gewinn. Das Übernehmen von Verantwortung in der Flüchtlingskrise hat das interkulturelle Verständnis in der Stadt vertieft - mit positiven Auswirkungen auf das Zusammenleben und das Miteinander in einer internationalen Stadtgesellschaft.

Hintergrund

Migrantischer Verein in Mannheim initiiert Partnerschaft

In Mannheim besitzt etwa ein Viertel der Bürgerinnen und Bürger eine ausländische Staatsangehörigkeit, die größte Gruppe sind türkische Staatsangehörige. Viele der Menschen haben persönliche Erfahrungen und Bindungen zur Türkei. So auch Mustafa Dedekeloglu, der aus der südostanatolischen Stadt Kilis stammt, die nur etwa eine Stunde von Aleppo entfernt liegt. In Kilis hat sich die Bevölkerung seit dem Ausbruch des Syrienkriegs durch die Aufnahme von fast 130.000 syrischen Flüchtenden mehr als verdoppelt. In seiner neuen Heimat ist Dedekeloglu sowohl Mitglied des Vereins „Arbeitskreis Islamischer Gemeinden Mannheims“ (AKIG) wie auch Leiter von „Duha e.V.- Verein für soziale Dienste“. Zusammen mit seinen Vereinen war es ihm ein großes Anliegen, die Menschen in seiner Heimatstadt zu unterstützen - er stellte den Kontakt zwischen Mannheim und Kilis her. Nun will Mannheim die türkische Stadt bei der Bewältigung der großen infrastrukturellen und sozialen Herausforderungen nachhaltig unterstützen. Es fehlt an bezahlbarem Wohnraum, an Wasser, an Infrastruktur für Abwasser- und Abfallentsorgung auch an ausreichenden Sozial- und Bildungsangeboten.

Blick auf Kilis
Die Stadt Kilis liegt nahe der türkischen Grenze zu Syrien. Fast 130.000 Geflüchtete aus Syrien fanden hier Zuflucht vor dem Bürgerkrieg. Foto: Stadt Mannheim

Kooperation unter dem Dach der Initiative „Kommunales Know-how Nahost“

Vier Männer und eine Frau stehen vor einem Gebäude und sehen sich Planungsunterlagen an.
Gemeinsame Pläne: Bildung ermöglichen und damit Zukunftsperspektiven schaffen. In Kilis soll unter anderem ein neues Ausbildungszentrum entstehen. Foto: Stadt Mannheim

Um den Menschen in Kilis neue Perspektiven zu eröffnen, engagieren sich Mannheim, Kilis und ihre Religionsgemeinschaften seit 2017 nun gemeinsam und werden dabei von der Servicestelle Kommunen in der Einen Welt im Rahmen der Initiative „Kommunales Know-how Nahost“ unterstützt. Mit Hilfe des Kleinprojektefonds Kommunale Entwicklungspolitik konnte die Stadt Mannheim erste Begegnungsreisen finanzieren, sich einen ersten Eindruck der Situation vor Ort verschaffen und den Kontakt mit den Verantwortlichen in Kilis vertiefen. Beim Gegenbesuch der türkischen Delegation in Mannheim kristallierten sich dann im Mai 2017 erste Projektideen heraus. Das deutsche Modell der dualen Berufsausbildung stieß auf so großes Interesse, dass man sich schnell darauf verständigen konnte, den Projektfokus auf Maßnahmen zur beruflichen Bildung zu legen. Dabei erwies sich die Flankierung des Projekts durch politische Kontakte - etwa mit Vertreterinnen und Vertretern aus dem Innenministerium, dem Bildungsministerium, der Deutschen Botschaft und dem türkischen Generalkonsulat - als sehr wichtig für die gemeinsame Planung und Zusammenarbeit.

Projektfokus: Berufliche Bildung

Multi-Service-Zentren und Qualifizierung von Lehrkräften

Dezentrale Weiterbildungsangebote für Frauen

Durch den besonderen Fokus auf dem Themen Weiter- und Berufsausbildung sollen die Berufschancen und damit auch die gesellschaftliche Teilhabe von geflüchteten Syrerinnen in Kilis vorangebracht werden. Die Idee: in sogenannten Multi-Service-Zentren, von denen es im ganzen Stadtgebiet insgesamt zwölf gibt, werden Weiterbildungsmöglichkeiten in den Bereichen Sprache, Informationstechnik, Frisörhandwerk, Nähen, Stickerei, Kochen, Backen und Kinderbetreuung angeboten. Außerdem bieten die Zentren Raum für Begegnung, um persönliche Kontakte zwischen syrischen und türkischen Frauen zu fördern und das Verständnis füreinander zu verbessern. Eines dieser Zentren konnten die Projektpartner Mannheim und Kilis im Rahmen des Schnellstarterpakets I Nahost konkret fördern. Der kommunale Wissenstransfer wurde gestärkt und in Expertenworkshops wurde gemeinsam an der Qualifizierung der Angebote und Kurse gearbeitet, um die Voraussetzungen in dem Multi-Service-Zentrum zu verbessern.

Einige Frauen, teilweise mit Hijab bekleidet, sitzen in vor PCs, eine Frau steht lächelnd und mit Blick zur Kamera links im Raum.
Lernen mit und am PC im Multi-Service-Zentrum in Kilis. Foto: Stadt Mannheim
Vier Frauen und ein Mann in weißer Berufsbekleidung schauen auf ein mit Broten belegtes Backblech. Im Hintergrund ein Ofen.
Türkische Ausbilderinnen zu Gast beim Bäckermeister der Mannheimer Justus-von-Liebig Schule im Dezember 2017.

Train the Trainer

Die zweite wichtige Projektkomponente fokussierte sich auf die Qualifizierung des Lehrpersonals. Dazu wurde zunächst eine Bedarfsanalyse des lokalen Arbeitsmarkts und der Bildungssituation der geflüchteten Frauen in Kilis in Zusammenarbeit mit der Universität Kilis durchgeführt. In zwei Workshops, die in Mannheim und Kilis stattfanden, erarbeiteten Expertinnen und Experten aus beiden Städten dann eine Strategie zur Förderung der sozialen und wirtschaftlichen Integration der geflüchteten Frauen. Bis Mitte 2018 konnten insgesamt 40 türkische und syrische Lehrkräfte sowohl ihre fachspezifischen Qualifikationen als auch ihr didaktisches Wissen vertiefen. 16 türkische Ausbilderinnen und Ausbilder nahmen an einer von zwei Weiterbildungsmaßnahmen an der Mannheimer Justus-von-Liebig-Schule teil und brachten wertvolles Know-how mit nach Hause. Langfristig geht es nun darum, in Anlehnung an das deutsche Vorbild das duale Ausbildungssystem in der Türkei zu fördern.

Ausblick

Mannheim und Kilis planen gemeinsam weiter für die Zukunft

Ende 2019 startete das Schnellstarterpaket II Nahost. Die beiden Partnerkommunen wollen ein modernes, bildungsorientiertes kommunales Gemeinschaftszentrum für die neuen und alteingesessenen Einwohnerinnen und Einwohner von Kilis bauen. Damit entsteht ein weiterer Ort für Begegnung und Beratung, Austausch und Bildung.

 

Sechs Männer und eine Frau sitzen an einem reich gedeckten Tisch.
Kommunale Fachleute aus beiden Städten tauschen sich weiterhin regelmäßig aus. Die Mitarbeitenden der Stadtverwaltungen haben durch die gemeinsame Arbeit wertvolle interkulturelle Kompetenzen gewonnen. Foto: Stadt Mannheim