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Hauptaufnahmeland syrischer Flüchtlinge

Türkei

Viele Menschen aus Syrien suchen im nördlichen Nachbarland Schutz. Kein anderes Land hat so viele Flüchtlinge aus Syrien aufgenommen wie die Türkei: Über 2,7 Millionen Personen waren dort im Mai 2016 registriert. Darüber hinaus sind rund 300.000 Menschen aus dem Irak in die Türkei geflüchtet. Die türkischen Behörden haben in zehn Provinzen insgesamt 25 Flüchtlingscamps eingerichtet.

In diesen Camps ist jedoch nur ein geringer Teil der syrischen Flüchtlinge untergekommen (rund 280.000 Menschen). Die meisten von ihnen leben in Istanbul, Ankara und in Gemeinden im Süden und Südosten der Türkei. Sie bekommen vom Staat Ausweispapiere, die ihnen zum Beispiel Zugang zu medizinischer Versorgung gewähren. Seit Februar 2016 können Flüchtlinge auch eine Arbeitserlaubnis beantragen.

LKW beim Entladen von Hilfsgütern an syrische Flüchtlinge in der Türkei
Hilfslieferung an syrische Flüchtlinge in der Stadt Suruç im Südosten der Türkei (Foto: BMZ)

Die Türkei unternimmt große Anstrengungen, um die Geflüchteten zu versorgen. Nach eigenen Angaben hat die Regierung bislang rund acht Milliarden US-Dollar investiert. Eine große Herausforderung besteht darin, ausreichend Bildungsangebote zu schaffen. Mehr als die Hälfte der syrischen Flüchtlinge sind Kinder und Jugendliche im Schulalter.

Vor allem die soziale und wirtschaftliche Infrastruktur in der Grenzregion zu Syrien ist extrem belastet. Inzwischen wurde die Grenze für den Personenverkehr aus Syrien geschlossen. Einreisegenehmigungen gibt es nur noch aus humanitären Gründen, etwa in medizinischen Notfällen.

Wirtschaft

Viel erreicht, aber noch viel vor

Vor allem in der Westtürkei sind die Leicht- und Schwerindustrie stark vertreten (Textil, Fahrzeuge, Chemie, Maschinen, Elektrobranche) und tragen circa 25 Prozent zum Bruttoinlandsprodukt (BIP) bei. Größten Anteil am BIP (circa 60 Prozent) hat der Dienstleistungssektor mit weiter steigender Tendenz. Laut Angaben der Weltbank arbeiten noch über ein Drittel der Erwerbsbeschäftigten in der Landwirtschaft und leisten einen Beitrag von knapp 10 Prozent zum BIP.

Die durchschnittliche Arbeitslosenquote lag im Jahr 2015 bei knapp über 10 Prozent. Herausforderungen für den Arbeitsmarkt bleiben der weiterhin hohe Anteil der Schwarzarbeit und die niedrige Erwerbsquote von Frauen.

Der überwiegende Teil der in Industrie, Landwirtschaft und Handwerk erwerbstätigen Arbeiter erhält weiterhin den offiziellen "Mindestlohn". Er wurde für das Jahr 2016 auf 1.647 Türkische Lira brutto – das sind rund 520 Euro - festgesetzt. Die Entwicklung der Realeinkommen hat mit der Wirtschaftsentwicklung nicht Schritt halten können, so dass insbesondere die ärmeren Bevölkerungsschichten am Rande des Existenzminimums leben.

Verbindung zu Deutschland

Langfristige Partnerschaft

Bundesentwicklungsminister Gerd Müller beim Besuch eines Flüchtlingscamps an der türkisch-syrischen Grenze
Bundesentwicklungsminister Gerd Müller beim Besuch eines Flüchtlingscamps an der türkisch-syrischen Grenze (Foto: BMZ)

Die Bundesregierung hat die Türkei bei der Versorgung der syrischen Flüchtlinge seit 2012 mit insgesamt 240,2 Millionen Euro unterstützt. Davon entfallen 118 Millionen Euro auf die humanitäre Hilfe des Auswärtigen Amts und 122,2 Millionen Euro auf mittel- und langfristige Vorhaben des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ). Während einer Reise in den Libanon und die Türkei im März 2015 sagte Entwicklungsminister Gerd Müller der türkischen Regierung erstmals Unterstützung im Kontext der Syrienkrise zu.

Durch ein Infrastrukturprogramm stellt das BMZ zehn Millionen Euro für den Auf- und Ausbau von Gemeinde- und Servicezentren bereit.

Kinder beim Spielen vor einer Schule in Izmir, Türkei
Kinder in einer Schule in Izmir, (Foto: Flickr, Rasmus Lerdorf (CC BY 2.0))

Mit 1,4 Millionen Euro aus der Sonderinitiative "Fluchtursachen bekämpfen – Flüchtlinge reintegrieren" pilotiert das BMZ ein Bildungsprogramm, mit weiteren 48,8 Millionen Euro ein Beschäftigungsprogramm.

Das Bundesentwicklungsministerium plant, die Unterstützung für die türkischen Gemeinden, die Flüchtlinge aufgenommen haben, und für die Flüchtlinge selbst deutlich auszubauen. Insbesondere die Bereiche Schulbildung und berufliche Bildung und sozialer Zusammenhalt sollen gefördert werden. Ein wichtiger Partner bei der Umsetzung ist das Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen (UNICEF).

Unterstützungsbedarf in den Aufnahmekommunen

Unterstützungsbedarf für 2,7 Millionen syrische Flüchtlinge

Istanbul skyline - Karaköy - Istanbul - Turkey
Blick auf Instanbul, (Foto: Flickr, Alexander Cahlenstein (CC BY 2.0))

Die Türkei beherbergt mit 2,7 Millionen Personen inzwischen die größte Zahl syrischer Flüchtlinge. Nur knapp zehn Prozent der Flüchtlinge leben in den offiziellen Flüchtlingslagern, der Großteil lebt ähnlich wie in Jordanien und dem Libanon in städtischen Gebieten über das ganze Land verteilt. Sie konzentrieren sich heute insbesondere in Istanbul, Ankara und in Kommunen im Süden und Südosten der Türkei.

Blick auf Ankara
Blick auf Ankara, (Foto: Flickr, Jorge Franganillo (CC BY 2.0))

Zwischen Mai und August 2016 hat die Servicestelle Kommunen in der Einen Welt die Bedarfe in den türkischen Kommunen vor dem Hintergrund ihrer Aufnahmeleistung ermittelt. Im Mittelpunkt stand die Frage, wo kommunales Know-how gebraucht wird und welchen Beitrag deutsche Kommunen oder kommunale Akteure bei der Stärkung von Aufnahmekommunen leisten können.

Syrische und türkische Kinder beim gemeinsamen Lernen in Gaziantep, Türkei
Syrische und türkische Kinder lernen in Gaziantep (TR) gemeinsam, (Foto: Flickr, European Commission DG ECHO (CC BY-ND 2.0))

Die Aufnahmekommunen in der Türkei haben Unterstützungsbedarf in den Feldern Integration, Schule und Bildung. Bei der Konzeption und Einrichtung von Integrationsbeiräten, Integrationskursen und Bürgerdialogen könnten die Erfahrungen deutscher Kommunen wertvoll sein. Neben dem Aufbau von Schulen und einer Verbesserung der schulischen Ausstattung ist auch die Vergabe von Stipendien für Schüler und Studierende sowie die Förderung der Erwachsenbildung notwendig. Auch hier könnten türkische Kommunen auf einen großen Erfahrungsschatz der deutschen Kommunen zurückgreifen.

Kinder vor Sanitärcontainern im Flüchtlingslager Suruç, Türkei
Sanitärcontainer im Flüchtlingslager Suruç, jedoch keine dauerhafte Lösung, (Foto: Flickr, European Union/ECHO/Caroline Gluck(CC BY-ND 2.0))

Bedarfe sind auch in den kommunalen Kernfeldern wie Kanalisation, Wasserversorgung und Müllentsorgung sichtbar. Die rasanten Entwicklungen in den Bevölkerungszahlen machen sich in vielen Kommunen bemerkbar. Wasserversorgungs- und Abwassersysteme sind häufig nicht ausreichend ausgestattet, um die hohe Zahl zusätzlicher Personen abzudecken. Beim Ausbau der Kanalisation könnten deutsche Kommunen ihr Know-how zur Verfügung stellen.

Handwerker auf Baugerüst beim Wohnungsbau (Sinnbild)
Eines der vielen Handlungsfelder ist der soziale Wohnungsbau (Foto: Pixabay)

Auch die Handlungsfelder Beschäftigung von Jugend, Arbeit/Beruf und Wohnen sind in den Aufnahmekommunen in der Türkei relevant. Die Einrichtung von Zentren zur beruflichen Bildung beispielsweise könnte Abhilfe für Geflüchtete ohne berufliche Bildung schaffen. Hier kann die Zusammenarbeit mit deutschen Kommunen und Berufskammern gewinnbringend sein. Auch bei der Stärkung des sozialen Wohnungsbaus zur Unterstützung von Gruppen, die auf dem freien Wohnungsmarkt keine Chancen haben, können deutsche Kommunen ihre Expertise weitergeben.

Ihr Know-how für die Türkei

Möglichkeiten des Engagements

Es gibt zahlreiche Möglichkeiten, wie Sie sich mit Ihrer Kommune engagieren können. Gerne beraten wir Sie zu verschiedenen Handlungsfeldern und zu Beteiligungsmöglichkeiten. Kontaktieren Sie unsere Ansprechpersonen direkt oder füllen Sie das Interessensformular aus.

Linkempfehlung

Sie möchten mehr über die Türkei erfahren?

Weitere Informationen über die Türkei finden Sie im Länder-Informations-Portal der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) GmbH.

JORDANIEN, LIBANON, TÜRKEI

Zahlen, Daten und Fakten zu den Aufnahmekommunen

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