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Hauptaufnahmeland syrischer Flüchtlinge

Türkei

Viele Menschen aus Syrien suchen im nördlichen Nachbarland Schutz. Kein anderes Land hat so viele Flüchtlinge aus Syrien aufgenommen wie die Türkei: Über 3,5 Millionen Personen waren im Februar 2020 dort registriert. Darüber hinaus sind rund 400.000 Menschen aus Afghanistan, Irak und Iran in die Türkei geflüchtet. 

Nur ein ein geringer Teil der syrischen Flüchtlinge ist in Flüchtlingscamps untergekommen. Die meisten von ihnen leben in Istanbul, Ankara und in Gemeinden im Süden und Südosten der Türkei. Sie bekommen vom Staat Ausweispapiere, die ihnen zum Beispiel Zugang zu medizinischer Versorgung gewähren. Seit Februar 2016 können Flüchtlinge auch eine Arbeitserlaubnis beantragen, allerdings wurden bisher erst rund 40.000 ausgestellt.

LKW beim Entladen von Hilfsgütern an syrische Flüchtlinge in der Türkei
Hilfslieferung an syrische Flüchtlinge in der Stadt Suruç im Südosten der Türkei (Foto: BMZ)

Die Türkei unternimmt große Anstrengungen, um die Geflüchteten zu versorgen und leistet Enormes. Kein anderes Land in der Region begegnet den geflüchteten Syrern so offen und großzügig und hat staatliche Systeme (Schule, Arbeitsmarkt, Gesundheitswesen) für sie geöffnet. Eine große Herausforderung besteht darin, ausreichend Bildungsangebote zu schaffen. Mehr als die Hälfte der syrischen Flüchtlinge sind Kinder und Jugendliche im Schulalter.

Vor allem die soziale und wirtschaftliche Infrastruktur in der Grenzregion zu Syrien ist extrem belastet. Obwohl bislang die Aufnahme der Flüchtlinge keine größeren gesellschaftlichen Konflikte ausgelöst hat, wird bei möglicher schlechterer wirtschaftlichen Aussichten eine Zunahme der Spannungen zwischen der einheimischen Bevölkerung und den Geflüchteten vor allem im strukturschwachen Südosten der Türkei zunehmen befürchtet.

Wirtschaft

Viel erreicht, aber noch viel vor

Vor allem in der Westtürkei sind die Leicht- und Schwerindustrie stark vertreten (Textil, Fahrzeuge, Chemie, Maschinen, Elektrobranche) und tragen circa 25 Prozent zum Bruttoinlandsprodukt (BIP) bei. Größten Anteil am BIP (circa 60 Prozent) hat der Dienstleistungssektor mit weiter steigender Tendenz. Laut Angaben der Weltbank arbeiten noch über ein Drittel der Erwerbsbeschäftigten in der Landwirtschaft und leisten einen Beitrag von knapp 10 Prozent zum BIP.

Die durchschnittliche Arbeitslosenquote lag im Jahr 2015 bei knapp über 10 Prozent. Herausforderungen für den Arbeitsmarkt bleiben der weiterhin hohe Anteil der Schwarzarbeit und die niedrige Erwerbsquote von Frauen.

Der überwiegende Teil der in Industrie, Landwirtschaft und Handwerk erwerbstätigen Arbeiter erhält weiterhin den offiziellen "Mindestlohn". Er wurde für das Jahr 2016 auf 1.647 Türkische Lira brutto – das sind rund 520 Euro - festgesetzt. Die Entwicklung der Realeinkommen hat mit der Wirtschaftsentwicklung nicht Schritt halten können, so dass insbesondere die ärmeren Bevölkerungsschichten am Rande des Existenzminimums leben.

Verbindung zu Deutschland

Langfristige Partnerschaft

Bundesentwicklungsminister Gerd Müller beim Besuch eines Flüchtlingscamps an der türkisch-syrischen Grenze
Bundesentwicklungsminister Gerd Müller beim Besuch eines Flüchtlingscamps an der türkisch-syrischen Grenze (Foto: BMZ)

Die Bundesregierung hat die Türkei bei der Versorgung der syrischen Flüchtlinge seit 2012 mit insgesamt 530 Millionen Euro unterstützt. Davon entfallen 181 Millionen Euro auf die humanitäre Hilfe des Auswärtigen Amts. Während einer Reise in den Libanon und die Türkei im März 2015 sagte Entwicklungsminister Gerd Müller der türkischen Regierung erstmals Unterstützung im Kontext der Syrienkrise zu. Seitdem hat hat das Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) etwa 443 Millionen Euro zur Verfügung gestellt, um geflüchtete Menschen und türkische Kommunen, die Flüchtlinge aufgenommen haben, zu unterstützen.

Kinder beim Spielen vor einer Schule in Izmir, Türkei
Kinder in einer Schule in Izmir, (Foto: Flickr, Rasmus Lerdorf (CC BY 2.0))

Das Bundesentwicklungsministerium hat die Unterstützung für die türkischen Gemeinden, die Flüchtlinge aufgenommen haben, und für die Flüchtlinge selbst ausgebaut. Insbesondere die Bereiche Schulbildung und berufliche Bildung und sozialer Zusammenhalt werden gefördert. Ein wichtiger Partner bei der Umsetzung ist das Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen (UNICEF).

Der Ausbau des Unterrichtsangebots soll eine "verlorene Generation" syrischer Flüchtlingskinder verhindern, die nur Krieg kennt und mangels Bildung keine positiven Lebensperspektiven entwickeln kann. Auch einer möglichen Radikalisierung von Jugendlichen wird vorgebeugt. Angebote zur beruflichen Qualifizierung helfen den Flüchtlingen, sich eine selbstständige, von fremder Hilfe unabhängige Existenz aufzubauen. Die erlernten Fähigkeiten können zudem nach einer Rückkehr nach Syrien genutzt werden.

Die Maßnahmen zur Beschäftigungsförderung richten sich sowohl an Geflüchtete als auch an Einheimische, die aufgrund des Flüchtlingszustroms Schwierigkeiten auf dem Arbeitsmarkt haben. Durch Beschäftigungsförderung sind in 2018 über 29.000 Jobs entstanden, davon 11.000 für syrische Lehrer, die den türkischen Mindestlohn erhalten und den Schulunterricht für über 250.000 syrische Kinder für ein komplettes Schuljahr sicherstellen.

Die bilaterale Zusammenarbeit Deutschlands mit der Türkei erfolgt zusätzlich zum europäischen Engagement im Rahmen des EU-Türkei-Aktionsplans vom November 2015 und der EU-Türkei-Erklärung vom März 2016. Die Vorhaben werden eng abgestimmt, um Doppelstrukturen zu vermeiden und einen Mehrwert zu erzeugen.

Unterstützungsbedarf in den Aufnahmekommunen

Unterstützungsbedarf für 2,7 Millionen syrische Flüchtlinge

Istanbul skyline - Karaköy - Istanbul - Turkey
Blick auf Instanbul, (Foto: Flickr, Alexander Cahlenstein (CC BY 2.0))

Die Türkei beherbergt mit 2,7 Millionen Personen inzwischen die größte Zahl syrischer Flüchtlinge. Nur knapp zehn Prozent der Flüchtlinge leben in den offiziellen Flüchtlingslagern, der Großteil lebt ähnlich wie in Jordanien und dem Libanon in städtischen Gebieten über das ganze Land verteilt. Sie konzentrieren sich heute insbesondere in Istanbul, Ankara und in Kommunen im Süden und Südosten der Türkei.

Blick auf Ankara
Blick auf Ankara, (Foto: Flickr, Jorge Franganillo (CC BY 2.0))

Zwischen Mai und August 2016 hat die Servicestelle Kommunen in der Einen Welt die Bedarfe in den türkischen Kommunen vor dem Hintergrund ihrer Aufnahmeleistung ermittelt. Im Mittelpunkt stand die Frage, wo kommunales Know-how gebraucht wird und welchen Beitrag deutsche Kommunen oder kommunale Akteure bei der Stärkung von Aufnahmekommunen leisten können.

Syrische und türkische Kinder beim gemeinsamen Lernen in Gaziantep, Türkei
Syrische und türkische Kinder lernen in Gaziantep (TR) gemeinsam, (Foto: Flickr, European Commission DG ECHO (CC BY-ND 2.0))

Die Aufnahmekommunen in der Türkei haben Unterstützungsbedarf in den Feldern Integration, Schule und Bildung. Bei der Konzeption und Einrichtung von Integrationsbeiräten, Integrationskursen und Bürgerdialogen könnten die Erfahrungen deutscher Kommunen wertvoll sein. Neben dem Aufbau von Schulen und einer Verbesserung der schulischen Ausstattung ist auch die Vergabe von Stipendien für Schüler und Studierende sowie die Förderung der Erwachsenbildung notwendig. Auch hier könnten türkische Kommunen auf einen großen Erfahrungsschatz der deutschen Kommunen zurückgreifen.

Kinder vor Sanitärcontainern im Flüchtlingslager Suruç, Türkei
Sanitärcontainer im Flüchtlingslager Suruç, jedoch keine dauerhafte Lösung, (Foto: Flickr, European Union/ECHO/Caroline Gluck(CC BY-ND 2.0))

Bedarfe sind auch in den kommunalen Kernfeldern wie Kanalisation, Wasserversorgung und Müllentsorgung sichtbar. Die rasanten Entwicklungen in den Bevölkerungszahlen machen sich in vielen Kommunen bemerkbar. Wasserversorgungs- und Abwassersysteme sind häufig nicht ausreichend ausgestattet, um die hohe Zahl zusätzlicher Personen abzudecken. Beim Ausbau der Kanalisation könnten deutsche Kommunen ihr Know-how zur Verfügung stellen.

Handwerker auf Baugerüst beim Wohnungsbau (Sinnbild)
Eines der vielen Handlungsfelder ist der soziale Wohnungsbau (Foto: Pixabay)

Auch die Handlungsfelder Beschäftigung von Jugend, Arbeit/Beruf und Wohnen sind in den Aufnahmekommunen in der Türkei relevant. Die Einrichtung von Zentren zur beruflichen Bildung beispielsweise könnte Abhilfe für Geflüchtete ohne berufliche Bildung schaffen. Hier kann die Zusammenarbeit mit deutschen Kommunen und Berufskammern gewinnbringend sein. Auch bei der Stärkung des sozialen Wohnungsbaus zur Unterstützung von Gruppen, die auf dem freien Wohnungsmarkt keine Chancen haben, können deutsche Kommunen ihre Expertise weitergeben.

Ihr Know-how für die Türkei

Möglichkeiten des Engagements

Es gibt zahlreiche Möglichkeiten, wie Sie sich mit Ihrer Kommune engagieren können. Gerne beraten wir Sie zu verschiedenen Handlungsfeldern und zu Beteiligungsmöglichkeiten. Kontaktieren Sie unsere Ansprechpersonen direkt oder füllen Sie das Interessensformular aus.

Linkempfehlung

Sie möchten mehr über die Türkei erfahren?

Weitere Informationen über die Türkei finden Sie im Länder-Informations-Portal der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) GmbH.

JORDANIEN, LIBANON, TÜRKEI

Zahlen, Daten und Fakten zu den Aufnahmekommunen

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