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Netzwerktreffen und Qualifizierungsseminar in Magdeburg

Austausch über Projektpartnerschaften mit Jordanien, Libanon und der Türkei

Bestehende Partnerschaften und Fördermöglichkeiten

Ende November lud die Initiative „Kommunales Know-how für Nahost“ der Servicestelle Kommunen in der Einen Welt (SKEW) von Engagement Global nach Magdeburg zu einem Vernetzungstreffen mit Qualifizierungsseminar zum Thema „Schnellstarterpaket Nahost“ ein. Rund 35 Vertreterinnen und Vertreter von bereits in der Initiative engagierten Kommunen aber auch solche, die sich für Projektpartnerschaften mit Jordanien, Libanon oder der Türkei interessieren, kamen bei dem dreitägigen Treffen zusammen.

Die Kommunen tauschten sich über Schwerpunkte und Rahmenbedingungen in kommunalen Projektpartnerschaften aus und diskutierten ihre Erfahrungen bei der Durchführung und Abrechnung von „Schnellstarterpaket Nahost“-Projekten auf der Grundlage des Haushaltsrechts. In Workshops wurden inhaltliche Fragen zur Zusammenarbeit in den drei Ländern und in den Schwerpunktfeldern des fachbezogenen Austauschs diskutiert. Eröffnet wurde die Tagung von Dr. Lutz Trümper, Oberbürgermeister der Stadt Magdeburg, Daphne Gross-Jansen, Referat Länder und Kommunen im Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ), und Kurt-Michael Baudach, Abteilungsleiter Kommunale Partnerschaften Länder und Regionen der SKEW.

Menschen sitzen in einem orange-rot angemalten Saal und blicken aufs Podium.
In Magdeburg kamen Vertretende bereits engagierter Kommunen und auch solche, die sich für Projektpartnerschaften interessieren zusammen. Foto: Stefan Deutsch
Kommunen beweisen Mut

Kommunale Partnerschaften betreiben Konfliktprävention

Drei Menschen sitzen auf Stühlen und hören zu.
Die Arbeit der Kommunen ist sehr wichtig, weil sie einen enormen Einfluss auf das Leben ihrer Bürgerinnen und Bürger hat.

Daphne Gross-Jansen erklärte, dass inzwischen etwa 30 kommunale Partnerschaften mit Kommunen aus Jordanien, im Libanon und in der Türkei existieren. „Die deutschen Kommunen, die sich in diesen Partnerschaften in Nahost engagieren, beweisen großen Mut, da sie in einer Konfliktregion tätig sind“, betonte sie. Gerade dieses Engagement sei sehr wichtig, da Kommunen nah am Menschen seien und damit einen enormen Einfluss auf das Leben ihrer Bürgerinnen und Bürger haben. „Kommunale Partnerschaften betreiben Konfliktprävention“, sagte Gross-Jansen. Weiterhin förderten kommunale Partnerschaften die Integration von Flüchtlingen, etwa indem geflüchtete und lokale Jugendliche gemeinsam eine Fortbildung zum Jugendgruppenleiter machen oder durch die Rehabilitation eines Parkgeländes, das während der Hochphase der Flucht als Unterkunft und Schlafplatz für Geflüchtete diente.  

Das können Kommunen tun

Unterstützungsangebote der Servicestelle Kommunen in der Einen Welt

Kurt Baudach stellte Unterstützungsangebote der SKEW für Kommunen vor. „Die deutschen Kommunen können ihre Partner in vielfacher Hinsicht unterstützen: zum Beispiel durch ihr fachliches Wissen und ihre Themen der kommunalen Daseinsfürsorge“, sagte der Abteilungsleiter für Kommunale Partnerschaften Länder und Regionen.

Zu einem Gastvortrag geladen hatten die Veranstalter die Wirtschaftswissenschaftlerin Dr. Salam Said. In ihrem Vortrag ging Dr. Said auf die Situation der rund vier Millionen registrierter syrischer Geflüchteter in der Türkei, ca. 1 Millionen im Libanon und ca. 900.000 in Jordanien ein. Sie wies darauf hin, dass im Libanon und in Jordanien schon vor der Flüchtlingskrise eine schwierige sozio-ökonomische Situation geherrscht habe.

Menschen sitzen im Tischkreis zusammen
„Wie gehen wir mit der Flüchtlingskrise im Libanon um?“ – darüber diskutierte die Libanon-Arbeitsgruppe. Foto: Stefan Deutsch
Situation der Geflüchteten

Flucht muss für das Aufnahmeland nicht immer eine Last sein

Daher sei auch die Situation der Flüchtlinge sehr unterschiedlich: auch wenn die Mehrheit der Geflüchteten inzwischen sehr arm und von äußerer Hilfe abhängig seien,  gäbe es zum Beispiel auch den reichen Unternehmer, der seine Fabrik aus Syrien in ein Nachbarland verlagert hat oder die Mittelstandsfamilie, die es immerhin schafft sich ein Zimmer zu mieten und durch kleine Arbeiten oder durch Überweisungen von Verwandten aus dem Ausland zu überleben. „Flucht muss nicht immer nur eine Last sein“, sagte Dr. Said. Flucht könne auch wirtschaftliches Potenzial haben, zum Beispiel wenn geflüchtete syrische Geschäftsleute in ihrem Aufnahmeland investieren oder durch die Integration der Geflüchteten in den legalen Arbeitsmarkt.

Workshops zu inhaltlichen Fragen der Zusammenarbeit

In Workshops wurden inhaltliche Fragen zur Zusammenarbeit in den drei Ländern und in den Schwerpunktfeldern des fachbezogenen Austauschs, zum Beispiel Abfallwirtschaft, formale und informelle Bildung, lokale Wirtschaftsförderung und soziale Kohäsion, diskutiert. Schwierigkeiten in der interkulturellen Kommunikation, Sprachprobleme und die geringe wirtschaftliche Basis der Kommunen wurden als wichtige Hürden der Zusammenarbeit diskutiert. Flexibilität und die Fähigkeit über den Tellerrand zu schauen, wurden als wichtige Voraussetzungen für nachhaltige Partnerschaften identifiziert. Von der SKEW wünschten sich die kommunalen Vertreterinnen und Vertreter mehr Unterstützung für den fachbezogenen Austausch. Das für das nächste Jahr angekündigte internationale Vernetzungstreffen wird als eine gute Gelegenheit dafür gesehen.

Die verstärkte Integration der 17 Ziele für nachhaltige Entwicklung in die Know-how-Partnerschaften war ebenfalls Thema des Treffens und wurde von Vera Strasser, Gruppenleiterin in der Abteilung für themenbezogene Partnerschaften der SKEW, mit einem Beitrag in die Diskussion eingebracht. Der Aufbau von Partnerschaften auf Augenhöhe, Ziel 17, war allen Beteiligten auf dem Workshop ein großes Anliegen.

Eine Gruppe Menschen steht in einer Reihe nebeneinander und diskutiert.
Schwierigkeiten in der Kommunikation? - gab es bei den Workshops auf jeden Fall nicht. Foto: Stefan Deutsch