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Qualifizierung und Austausch in Beirut

Aufbau von Projektpartnerschaften mit deutschen Kommunen beim Netzwerktreffen

Nachhaltige Energie für libanesische Kommunen

Im Oktober fand auf Initiative der IKKN ein zweitägiges Netzwerktreffen von 48 kommunalen Vertreterinnen und Vertretern aus 19 libanesischen Kommunen statt. Ziel des Treffens in Beirut waren Qualifizierung und Austausch der Kommunen sowie die Stärkung von Projektpartnerschaften mit deutschen Kommunen.

Der erste Tag stand unter dem Motto „Qualifizierung“. In verschieden Beiträgen informierten Experten aus den libanesischen Ministerien und Nichtregierungsorganisationen über Themen, die für den Aufbau einer Projektpartnerschaft mit deutschen Kommunen relevant sind. Emile Azar, Experte im Wasser- und Energiesektor erklärte, dass im Rahmen einer Projektpartnerschaft zum Beispiel nachhaltige Energieproduktion in den Kommunen eingeführt werden kann. Mit Straßenbeleuchtung durch Solarenergie etwa kann Energie gespart werden.

Sechs Personen sitzen sich an Tischen gegenüber und unterhalten sich.
Bei den Gesprächen ging es unter anderem um die Einführung von erneuerbaren Energien. Foto: Dory Abou Jaoude / DRI

Mehr Mitbestimmungsrechte für Frauen und Jugendliche

Eine Frau hinter einem Tisch und spricht in ein Mikrofon
Bei Netzwerktreffen wurde beschlossen, in Zukunft verstärkt Frauen und Jugendlichen in kommunale Entscheidungen einzubinden. Foto: Dory Abou Jaoude / DRI

Als Saleh Abou Mansour (Head of Jabal El Sheikh Municipalities Federation) zum ersten Mal vorschlug, zukünftig verstärkt Frauen und Jugendlichen in kommunale Entscheidungen einzubinden, bekam er nur zurückhaltenden Applaus. Nach einer Diskussion erklärte sich der Gemeinderat Jabal El Sheikhs dennoch bereit, das Projekt zu unterstützen. Erste Schritte in Richtung mehr Teilhabe von Frauen und Jugendlichen wurden bereits unternommen: Eine E-Mail, mit der Anforderung sich freiwillig zu organisieren, ging an ausgewählte Empfänger. Innerhalb einer Woche meldeten sich 100 Jugendliche, Männer und Frauen aus allen Teilen der Gesellschaft, unterschiedlichen religiösen Gruppierungen und politischen Spektren zurück. Damit die Jugendlichen nicht nur kurzfristig ehrenamtliche Arbeit leisten, sondern sich auch gut und organisiert auf kommunaler Ebene einbringen können, wurden bereits 2017 und 2019 Jugendräte gewählt. Außerdem wurde vereinbart, dass mindestens 30 Prozent der Jugendräte junge Frauen sein müssen. „Es ist sinnvoll, sich für Umweltschutz und erneuerbare Energien zu engagieren – doch wenn Frauen und Jugendliche dabei nicht eingebunden werden, ist alles sinnlos“, sagte Mansour.

Ministerien und Unternehmen

Projekte für die Zukunft

Dr. Marc Beyrouthy vom libanesischen Umweltministerium widmete sich in seinem Vortrag den Abfallproblemen. „Unsere Einstellung zur Müllproduktion muss sich ändern. Es muss mehr Müll vermieden und getrennt werden“, sagte er. Maßnahmen, wie die Einführung von kostenpflichtigen und wiederverwendbaren Plastiktaschen oder die Ausgabe von kleinen Müllbehältern, könnten auch relativ unkompliziert von den Kommunen selbst umgesetzt werden.

„Wir müssen langfristig planen und dabei im Sinne des SDG 17 auf Partnerschaften setzen“, sagte Ghassan Tayyoun aus Zgharta-Ehden im Nord-Libanon. In seinem Vortrag ging er auf unterschiedliche Aktivitäten zur Förderung lokaler wirtschaftlicher Entwicklung ein  – vom Bauen eines Bürgersteigs bis zum Bau eines Gewerbeparks.

Menschen sitzen auf Stühlen und blicken nach vorne aufs Podium.
Bei Netzwerktreffen wurde beschlossen, in Zukunft verstärkt Frauen und Jugendlichen in kommunale Entscheidungen einzubinden. Foto: Dory Abou Jaoude / DRI
Städte- und Projektpartnerschaften

Arbeit der Kommunen im Fokus

Am zweiten Veranstaltungstag wurde das Thema Vernetzung diskutiert. Richard Hanna, Berater im libanesischen Umweltministerium, sprach das erste Grußwort. Dabei wies er auf die Großbrände hin, die über Nacht aufgrund der Hitze und eventuell auch Brandstiftung an mehreren Stellen im Libanon ausgebrochen waren. „Wir setzen gerade alles daran, die Brände zu löschen“, informierte er die Zuhörer. In seinem Beitrag betonte er die wichtige Arbeit der Kommunen: „Städte- und Projektpartnerschaften sind ein wichtiges Thema für die Zukunft.“ Innenministerin Raya Haffar El Hassan musste dem Treffen aufgrund der Brände fernbleiben. Als ihre Vertreterin nahm Faten Abou Hassan, die Generaldirektorin für Kommunen, teil. Auch sie versicherte, dass ihr Ministerium das Projekt unterstützen wolle. Anschließend hörte sie aufmerksam den Berichten aus den Kommunen zu.

„Für die Zukunft wünsche ich mir, dass die Kommunen öfter Kontakt mit meinem Ministerium aufnehmen. Wir sind gerne bereit, Projektpartnerschaften mit deutschen Kommunen administrativ zu unterstützen“, meinte Peter Farah, Berater im Ministerium für soziale Angelegenheiten mit dem Schwerpunkt Beschäftigungsförderung. Der Gesprächsrunde per Skype zugeschaltet war Suzy Hoayer, Beraterin im libanesischen Ministerium für Wasser und Energie. Sie lobte die Arbeit der deutschen Kommunen im Bereich Wasser und Abwasser. Auch ihr Ministerium sei bereit, eine intensive Zusammenarbeit mit deutschen Kommunen zu unterstützen. Sie wies darauf hin, dass auch eine Kooperation mit den NRO von Fall zu Fall sinnvoll sein könne.

Bessere Rückkehrmöglichkeiten für Geflüchtete

Der deutsche Botschafter, Dr. Georg Birgelen ging auf die Situation in Syrien und die Rückkehrmöglichkeiten für Geflüchtete ein: „Rückkehr kann es erst geben, wenn es Sicherheit, Jobs, Verpflegung, medizinische Versorgung und Unterkünfte in Syrien gibt.“ Dies sei noch ein langer Weg. Die deutsche Regierung unterstütze multilateral, bilateral und über Programme wie der Initiative Kommunales Know-how für Nahost die libanesische Regierung und die libanesischen Kommunen bei der Bewältigung der großen Herausforderungen.

Im Anschluss an die Grußworte stellte Wencke Müller von der IKKN die neue Projektstruktur im Libanon vor und André Sleiman erklärte Ausschreibungsregelungen innerhalb der Projektpartnerschaften.

Eine Frau steht vor einem Tisch. Dahinter stehen zwei Männer und eine Frau.
Faten Abou El Hassan vom Innenministerium im Dialog mit Dr. Christiane Gaehtgens (GIZ) und George Youssef, Bürgermeister von Menjez. Foto: Dory Abou Jaoude / DRI
Ausblick

Sich ausreichend Zeit für die gemeinsame Projektentwicklung nehmen

Am Nachmittag beschäftigten sich die Teilnehmenden in Arbeitsgruppen mit Herausforderungen und der Praxis der bisherigen Projektarbeit. Aus der bisherigen Zusammenarbeit habe man gelernt, sich ausreichend Zeit für das Kennenlernen, die Klärung gemeinsamer Ziele und die Projektentwicklung zu nehmen. Ein gemeinsames Verständnis von dem, was die Kommunen zusammen tun möchten, müsse zu Beginn eines Projektes erarbeitet werden. Weiterhin war man sich einig, dass Projekte von den involvierten Kommunen selbst geplant werden sollen – dies sei ein großer Vorteil des IKKN-Programms. Es setze an den geäußerten Bedürfnissen der libanesischen Kommunen an. Für zukünftige Projektarbeit versicherten die Akteure, dass sie transparent arbeiten und auch den Mut aufbringen werden, Dinge zu kommunizieren, die nicht so laufen wie geplant.

Organisiert wurde das Treffen von IKKN mit Unterstützung des Landesbüros Libanon von Democracy Reporting International und der GIZ im Libanon.