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Königreich mit überforderter Infrastruktur

Jordanien

Der Flüchtlingsstrom aus Syrien stellt Jordanien vor große Herausforderungen. Seit Ausbruch des Bürgerkriegs sind mehr als 640.000 Syrerinnen und Syrer in das Nachbarland geflüchtet. Das entspricht einem Bevölkerungszuwachs von fast zehn Prozent – und täglich kommen weitere Flüchtlinge hinzu. Der Zustrom überfordert die Infrastruktur des Landes.

Ein großes Problem ist die Versorgung der Menschen mit Trinkwasser, denn Wasser ist in Jordanien extrem knapp. Schon bevor die Geflüchteten aus Syrien ins Land kamen, wurden Jordaniens Wasserressourcen zu intensiv genutzt und konnten sich darum nicht mehr regenerieren. Jedes Jahr sinkt der Grundwasserspiegel um einen Meter.

Wirtschaft

Fehlende Rohstoffe, Wasserarmut und Arbeitslosigkeit

Blick auf Amman, Jordanien
Blick auf Amman (Foto: Pixabay)

Jordanien ist ein Land ohne nennenswerte Rohstoffe und industrielle Basis. Es ist zudem eines der wasserärmsten Länder der Welt. Zu den vorhandenen Ressourcen und Hauptexportgütern zählen Kali und Phosphat. Darüber hinaus gibt es Ölschiefer- und Uranvorkommen, die verstärkt zur Energieerzeugung genutzt werden sollen, dazu Erdgasvorkommen an der jordanisch-irakischen Grenze.

Baufällige Behausung am Rande Ammans, Jordanien
Leben in Armut: Für rund 33% der Bevölkerung Alltag (Foto: Pixabay)

Mit einer Bevölkerung von 6,5 Millionen Menschen und einem Bruttoinlandsprodukt in Höhe von rund 33,4 Milliarden Euro (2014, pro Kopf ca. 4766 Euro) zählt Jordanien zu den sogenannten „upper middle income“ Ländern. Der Reichtum im Land ist jedoch ungleich verteilt. Nach Angaben der Weltbank lebt circa ein Drittel der Bevölkerung für mindestens ein Quartal im Jahr in Armut. Die Arbeitslosenquote lag 2014 bei 12,3 Prozent. Insbesondere die hohe Jugendarbeitslosigkeit – rund 38 Prozent bei den 15-19-Jährigen und etwa 35 Prozent bei den 20-24-Jährigen - stellt Jordanien vor massive Probleme.

Verbindung zu Deutschland

Enge und freundschaftliche Beziehungen

Blick auf karge Landschaft in Jordanien, im Vordergrund Oase
Wasser ist in Jordanien knapper Rohstoff (Foto: Pixabay)

Die politischen Beziehungen zwischen Jordanien und Deutschland sind eng und freundschaftlich. Jordanien gehört zu den Kooperationsländern, die die Bundesregierung durch thematische und regionale Programme fördert. Schwerpunkt der Zusammenarbeit ist der Wassersektor. Jordanien gehört zu den fünf wasserärmsten Ländern der Welt.

Seit Beginn der Flüchtlingskrise 2012 hat das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) Jordanien mit insgesamt 475 Millionen Euro unterstützt, 148,47 Millionen davon wurden für Sondermaßnahmen zur Bewältigung der Flüchtlingskrise zur Verfügung gestellt. Hinzu kamen 89 Millionen Euro für humanitäre Hilfsmaßnahmen, die das Auswärtige Amt bereitgestellt hat.

Unterstützungsbedarf in den Aufnahmekommunen

Kommunen tragen Hauptlast der Krise

Ein Junge zapft im jordanischen Flüchtlingslager Zaatari Wasser aus einem Tank
Ein Junge zapft im jordanischen Flüchtlingslager Zaatari Wasser aus einem Tank (Foto: BMZ)

In Jordanien leben 80 Prozent der syrischen Flüchtlinge in Aufnahmekommunen, vor allem in einem der nördlichen Gouvernorate und in der Hauptstadt Amman.  Die jordanischen Kommunen tragen damit die Hauptlast der Krise - manche Gemeinden haben genauso viele Flüchtlinge aufgenommen, wie sie Einwohner haben. Die Belastung ist für das Land aufgrund seiner knappen Ressourcen enorm.

Zwischen Mai und August 2016 hat die Servicestelle Kommunen in der Einen Welt den Unterstützungsbedarf in den jordanischen Kommunen vor dem Hintergrund ihrer Aufnahmeleistung ermittelt. Im Mittelpunkt stand die Frage, wo kommunales Know-how gebraucht wird und welchen Beitrag deutsche Kommunen oder kommunale Akteure bei der Stärkung von Aufnahmekommunen leisten können.

Eine Frau bei der Ausbildung zur Klempnerinn im Berufsbildungszentrum der Stadt Mafraq, Jordanien
Ausbildung zu Klempner/-innen im Berufsbildungszentrum der Stadt Mafraq in Jordanien (Foto: BMZ)

Die Aufnahmekommunen Jordaniens stehen vor großen Schwierigkeiten in den Feldern Abwasserentsorgung und Abfallwirtschaft, insbesondere beim Recycling von Plastik und Papier. Auch Strategien zur Wertstoffsammlung und Müllvermeidung werden gebraucht. Erneuerbare Energien (Solar und Wind) wurden ebenfalls häufig als Handlungsfeld genannt. Hier könnten deutsche Kommunen ihr Know-how einbringen, beispielsweise bei der gemeinsamen Erstellung von Plänen zur Reduzierung von kommunalen Energiekosten und zur Verbesserung der kommunalen Budgets.

Schreibtisch mit Computern, Zetteln und Stiften während einer Besprechung
Planungskompetenzen müssen geschaffen werden (Foto: Pixabay)

An Unterstützung mangelt es auch im Bereich der Planungs- und Handlungskompetenzen von jordanischen Aufnahmekommunen, insbesondere bei der Organisations- und Personalentwicklung, der Bereitstellung von kommunalen Informationssystemen und bei der effizienten Nutzung von Daten für kommunale Belange.

Viele Schülerinnen mit Kopftuch vor einem Schulgebäude in Jordanien
Bildung ist die Grundlage wirtschaftlicher Stabilität (Foto: Pixabay)

Auch die Handlungsfelder Bildung und Beschäftigung, insbesondere für junge Leute, die Schaffung von bezahlbarem Wohnraum und Bürgerbeteiligung auf kommunaler Ebene wurden in der SKEW-Erhebung genannt und könnten Inhalt von kommunalen Partnerschaftsprojekten sein. Hier wurde insbesondere auf die Notwendigkeit hingewiesen, verstärkt marginalisierte oder unterrepräsentierte Bevölkerungsgruppen einzubeziehen (Jugendliche, Frauen, Geflüchtete), sowie das Konfliktpotential zwischen Geflüchteten und der ansässigen Bevölkerung zu reduzieren. Deutsche Kommunen verfügen über langjährige Erfahrungen bei der Einbindung ihrer Bürgerinnen und Bürger zu kommunalen Belangen oder bei der Qualifizierung von ehrenamtlichen Kräften. Auch bei der Stärkung des sozialen Wohnungsbaus zur Unterstützung von Gruppen, die geringe Chancen auf dem freien Wohnungsmarkt haben, können deutsche Kommunen ihre Expertise weitergeben.

Ihr Know-how für Jordanien

Möglichkeiten des Engagements

Es gibt zahlreiche Möglichkeiten, wie Sie sich mit Ihrer Kommune engagieren können.
Gerne beraten wir Sie zu verschiedenen Handlungsfeldern und zu Beteiligungsmöglichkeiten.
Kontaktieren Sie unsere Ansprechpersonen direkt oder füllen Sie das Interessensformular aus.

Linkempfehlung

Sie möchten mehr über Jordanien erfahren?

Weitere Informationen zu Jordanien finden Sie im Länder-Informations-Portal der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) GmbH.

JORDANIEN, LIBANON, TÜRKEI

Zahlen, Daten und Fakten zu den Aufnahmekommunen

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