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Partnerschaftsprojekt der Bezirke Treptow-Köpenick und Tepebaşı

Durch Existenzgründungsberatung die Integration von Geflüchteten fördern

Von der Städtepartnerschaft zum Kooperationsprojekt

Im November 2017 besiegelten die Bezirke Eskişehir-Tepebaşı in der Türkei und Treptow-Köpenick in Berlin offiziell ihre Städtepartnerschaft. Der Unterzeichnung vorausgegangen waren bereits einige Jahre des Kennenlernens und des interkulturellen Austauschs mit gegenseitigen Besuchen, unter anderem von Jugendlichen und Kulturschaffenden. 2018 konnten die Beteiligten mit Unterstützung durch das Schnellstarterpaket I Nahost von Engagement Global ein gemeinsames Projekt mit dem Fokus Existenzgründung und Integration realisieren, denn beide Bezirke sehen sich angesichts von Zuwanderung und hohen Arbeitslosenzahlen unter jungen Menschen mit ähnlichen Herausforderungen konfrontiert. Das Ziel der Kooperation sollte daher sein, jungen Menschen mit und ohne Migrationshintergrund eine Perspektive für ihr Berufsleben zu bieten. Schnell einigte man sich darauf, dass ein sozial- und kreativwirtschaftliches Existenzgründungszentrum in Tepebaşı im Mittelpunkt des Projektes stehen sollte. Dessen inhaltliche Ausrichtung und Kursangebot wurde daraufhin in zwei Planungsworkshops beraten und erarbeitet.

Fünf Personen sind miteinander im Gespräch.
Bürgermeister Dt. Ahmet Ataç im Gespräch mit Teilnehmerinnen und Teilnehmern des ersten Existenzgründungsseminars. Das Existenzgründungszentrum in Tepebaşı bietet jungen Menschen mit und ohne Migrationshintergrund Perspektiven. Foto: Eskişehir Tepebaşı Belediyesi
Hintergrund

Der Bezirk Tepebaşı in Eskişehir und die Verbindung nach Berlin-Treptow-Köpenick

Die etwa 680.000 Einwohnerinnen und Einwohner zählende Stadt Eskişehir mit ihrem Bezirk Tepebaşı ist eine moderne, weltoffene und wirtschaftlich dynamische Region. Mit ihren zwei großen Universitäten ist sie ein wichtiger Bildungsstandort in Anatolien. Dennoch ist die Situation auf dem Arbeitsmarkt vor allem für junge Erwachsene angespannt. In der Altersgruppe der 15 bis 24-jährigen liegt die Arbeitslosenrate bei 34 Prozent. Um nicht abwandern zu müssen, suchen viele gut qualifizierte Arbeitskräfte daher den Weg in die Selbstständigkeit. Diese Existenzgründungen scheitern leider häufig, wodurch das umfangreiche Potential vieler junger Menschen verloren zu gehen droht. Durch die kurzfristig notwendige Integration von Geflüchteten (davon allein 5.000 Menschen in Tepebaşı), hat sich der Druck auf den Arbeitsmarkt noch erhöht und gefährdet die lokale Akzeptanz der Geflüchteten. Verschiedene Maßnahmen in Eskişehir und Tepebaşı versuchen bereits, selbständiges Unternehmertum zu unterstützen. Sie fördern jedoch vor allem technische Bereiche. Für künstlerisch-gestalterische oder soziale Gründungen existierten bislang keine vergleichbaren Beratungsangebote. Mit einem neuen Gründungszentrum will die Stadtverwaltung nun die kreative und soziale Gründerszene fördern.

Auch im Berliner Partnerbezirk Treptow-Köpenick gibt es eine aktive Kunst- und Kreativszene, die Interesse an Professionalisierung und Gewinnerzielung hat. Bislang haben nur wenige den Schritt von Ehrenamt und Projekttätigkeit zu einer wirtschaftlich erfolgreichen Existenzgründung gemeistert. Beide Regionen sehen ebenfalls ein großes Potential darin, junge Menschen als Freiwillige für die Integrationsarbeit mit Geflüchteten zu gewinnen und fortzubilden. Die von türkischer und deutscher Seite identifizierten Gemeinsamkeiten bildeten die Grundlage für die Zusammenarbeit zwischen den Bezirken.

Eine Gruppe von sieben Personen besichtigt eine Baustelle.
Bezirksbürgermeister Oliver Igel besichtigt gemeinsam mit Vertreterinnnen und Vertretern der Bezirksverordnetenversammlung Treptow-Köpenick die Baustelle des neuen Existenzgründungszentrums. Foto: Bezirksamt Treptow-Köpenick von Berlin

Die gemeinsamen Projektziele

Die Beteiligten aus den Bezirken Tepebaşı und Treptow-Köpenick einigten sich darauf, dass das erste Kooperationsprojekt in gelebter interkultureller Zusammenarbeit einen Beitrag zur Beschäftigungs-, Kreativitäts- und Gemeinwohlförderung in Tepebaşı und Eskişehir leisten sollte. Im Fokus der Projektarbeit steht das geplante Existenzgründungszentrum für Kreativ- und Sozialberufe, über dessen Beratungs- und Schulungsangebot geflüchteten und einheimischen jungen Menschen aus Tepebaşı Perspektiven zur Gründung eines eigenen Unternehmens aufgezeigt werden soll.

Das gemeinsam entwickelte Kursangebot soll nach ersten Erfahrungen im Rahmen des Projektes evaluiert und auf den Kontext in Berlin Treptow-Köpenick übertragen werden. Umgekehrt werden erfolgreich durchgeführte Aktivitäten aus Treptow-Köpenick in Tepebaşı vorgestellt und erprobt. Hierbei sollen Gemeinsamkeiten herausgestellt, kreative Ansätze entwickelt und weitere Kooperationen initiiert werden.

Schulungen und Workshops in Berlin und Tepebaşı

In zwei Planungsworkshop im April und Juni 2018 erarbeiteten die Projektbeteiligten ein erstes Kursprogramm zur Gründungsförderung gemeinnütziger und kreativer Vorhaben. Zunächst reiste im April 2018 eine Delegation aus Treptow-Köpenick nach Tepebaşı. Im Juni fand das zweite Arbeitstreffen in Berlin statt. Flankiert wurden die Workshops von interkulturellen Schulungen für die Kolleginnen und Kollegen der jeweiligen Bezirksverwaltungen als Basis für den kollegialen Austausch und die zukünftige Zusammenarbeit.

Als Ergebnis der Workshops konnte ein Kursprogramm mit Informations- und Vernetzungsveranstaltungen zur Existenzgründung im sozialen oder kreativen Bereich für etwa 120 überwiegend junge Menschen auf die Beine gestellt werden. Mindestens ein Drittel der vorhandenen Plätze soll jeweils an Frauen und Geflüchtete gehen. Außerdem erarbeiteten die Teilnehmenden Qualifizierungsmaßnahmen für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Gründungszentrums und für Ehrenamtliche in der Geflüchtetenarbeit. Diese beinhalten unter anderem Arabisch-Sprachkurse, um Sprachbarrieren bei der Integration von Menschen mit Fluchthintergrund möglichst klein zu halten.

Drei Männer und zwei Frauen blicken auf einen Tisch, auf dem Schriftstücke liegen.
In Tepebaşı lernten sich die Projektbeteiligten kennen und erarbeiten intensiv Lösungen und Strategien für das neue Gründungszentrum. Bürgermeister Dt. Ahmet Ataç informiert sich über die Ergebnisse des ersten Planungsworkshops. Foto: Bezirksamt Treptow-Köpenick von Berlin
Ausblick

Motivation und Vorbildfunktion

Die offizielle Eröffnung des Gründungszentrums fand am 16. Dezember 2018 statt. Damit wurde ein großer Meilenstein in der Zusammenarbeit erreicht. Durch das gemeinsame Projekt konnten eine Vielzahl an Angeboten und Strukturen innerhalb des Existenzgründungszentrums und damit eine nachhaltige Grundlage für die Verbesserung der Arbeitsmarktsituation von jungen Menschen in Tepebaşı geschaffen werden. Das Projekt, das sowohl auf türkischer als auch auf deutscher Seite zu jeder Zeit auf die Unterstützung von Politik und Vewaltung zählen konnte, hat auch der Städtepartnerschaft positive Dynamik und gegenseitiges Vertrauen gebracht. Durch wertvolle persönliche Kontakte und die konstruktive gemeinsame Arbeit konnten die interkulturellen Kompetenzen der Projektbeteiligten auf beiden Seiten erweitert werden. Diese sind die Basis für zukünftige Kooperationen, für die schon erste Ideen geschmiedet wurden: so ist ein Projekt im Rahmen des Schnellsparterpakets II bereits in Planung, für das die jetzt entstandenen Kontakte und Netzwerke weiter genutzt und ausgebaut werden sollen.

Nicht zuletzt sind die Projektpartnerinnen und -partner überzeugt, dass die erfolgreiche Kooperation Beispiel und Vorbild für andere Städte sein kann. Gerne werden die Erfahrungen von Berlin Treptow-Köpenick und Eskişehir-Tepebaşı an interessierte Kommunen weitergegeben und geteilt.

Gruppenfoto vor einem feierlich geschmückten Gebäude.
Im Dezember 2018 konnte das Existenzgründungszentrum feierlich eröffnet werden. Foto: Eskişehir Tepebaşı Belediyesi

Kontakt

Sven Schmohl
Bezirksamt Treptow-Köpenick von Berlin
Wirtschaftsförderung
Telefon:  +49 30 90279-2536
E-Mail: sven.schmohl@ba-tk.berlin.de