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Willkommenskultur und kommunaler Wissenstransfer sind im Landkreis Donau-Ries Programm

Fluchtursachen bekämpfen in Bayern und Nahost

Der Landkreis Donau-Ries hat sowohl die Ursachen als auch die Folgen von Flucht und Vertreibung im Blick – und unterstützt eine flüchtlingsaufnehmende Gemeinde in Jordanien wie auch Geflüchtete im eigenen Landkreis.

Die Jahre 2015 und 2016, in denen viele Tausend Menschen vor dem Bürgerkrieg in Syrien nach Europa flüchteten, hat auch der Landkreis Donau-Ries als einschneidend erlebt. Seither ist es der Kreisverwaltung ein besonderes Anliegen, Geflüchtete respektvoll zu begleiten und sie dauerhaft zu integrieren. Gleichzeitig ist aus dieser Erfahrung auch der Impuls entstanden, die Ursachen von Flucht weltweit anzugehen. Deshalb beteiligt sich der Landkreis an beiden Komponenten der Initiative „Kommunales Know-how für Nahost“, die die Servicestelle Kommunen in der Einen Welt (SKEW) im Auftrag des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) durchführt.

Luftbild eines Dorfzentrums mit Kirche, Verwaltungsgebäude und Wohnhäusern
Engagement aus Bayern für Nahost. Der Landkreis Donau-Ries zeigt, wie es geht. Foto: Landkreis Donau-Ries
Gruppenfoto der Mitarbeitenden im Landkreisamt Donau-Ries. Einige Personen halten Broschüren in die Kamera.
Am Planungstreffen zum Projekt beteiligten sich die unterschiedlichsten Abteilungen der Kreisverwaltung. Auch die Kommunalpolitik war vertreten und brachte ihre Expertise ein. Foto: Landkreis Donau-Ries

Qualifizierung von syrischen Geflüchteten in der Kreisverwaltung

2018 ist der Landkreis mit seinen rund 130.000 Einwohnern als eine von insgesamt sieben Modellkommunen in das Projekt „Qualifizierung von syrischen Geflüchteten in deutschen Kommunalverwaltungen“ eingestiegen. Bis Februar 2019 erhielten vier Syrer für jeweils sechs Monate die Gelegenheit, die Verwaltung im Landkreis kennenzulernen. Auf diese Weise konnten sie einen Einblick in demokratische Strukturen und lokale Verwaltungsabläufe bekommen, die später einmal beim Auf- und Ausbau von Kommunalstrukturen in Syrien helfen können. „Das Projekt ist für uns Teil einer positiven Willkommenskultur und gleichzeitig Teil unseres internationalen Engagements“, sagt Karl-Heinz Köster, Koordinator für kommunale Entwicklungspolitik und Entwicklungszusammenarbeit im Landkreis.
Drei Praktikanten waren im Landratsamt in den Bereichen Zentrale IT, Büro des Landrats und Bauwesen eingesetzt. Ein weiterer Praktikant absolvierte ein Praktikum in der Außenstelle des Landkreises in Nördlingen.

Gelebte Demokratie – eine gute Perspektive

Der 23-jährige Hane Moshmosh aus Damaskus konnte in Nördlingen in zahlreichen Abteilungen mitarbeiten. Von Presse und Kultur über Rechtsamt, Ordnungswesen, Liegenschaften, Stadtwerke, Bauamt, Stadtarchiv, Tourismus und EDV hat er die ganze Bandbreite von Verwaltungshandeln kennengelernt. Der Einblick in die Verwaltung hat ihn so begeistert, dass er nun eine Ausbildung zum Verwaltungsfachwirt beim Landkreis anstrebt. Zu einem besonderen Höhepunkt zählte für ihn, dass er bei der Vorbereitung der bayerischen Bezirks- und Landtagswahl in 2018 mithelfen konnte. So erhielt er einen Einblick, wie demokratische Wahlen auf lokaler Ebene funktionieren. Außerdem konnte er an einer Bürgerversammlung teilnehmen, bei der es um den geplanten Bau eines Hallenbades ging. An einem ganz konkreten Beispiel erfuhr er, wie Bürgerbeteiligung funktioniert. Dass er mit seiner Qualifikation „später einmal“ mithelfen könne, in seinem Heimatland funktionierende kommunale Strukturen aufzubauen, sei eine gute Perspektive – auch wenn der Zeitpunkt dafür aufgrund der politischen Lage in Syrien noch in weiter Ferne liegt.

Fünf Männer stehen auf einer Treppe vor einem Gebäude und lächeln in die Kamera.
Hane Moshmosh (hinten links) und seine drei syrischen Kollegen zusammen mit ihrem Ansprechpartner und Koordinator für kommunale Entwicklungspolitik Karl-Heinz Köster (Mitte). Foto: Andreas Grasser
Recycling und Abfallentsorgung

Kooperationsprojekt mit der jordanischen Kommune Jerash

An der Auslandskomponente der Initiative Nahost beteiligt sich Donau-Ries schon länger. Bereits 2016 hatte sich der kommunale Abfallwirtschaftsverband Nordschwaben für eine Kooperation mit einer Kommune in der Region Nahost interessiert, um diese bei der Bewältigung der Flüchtlingskrise zu unterstützen. Nach einigen Treffen mit den internationalen Partnern und den positiven Erfahrungen mit den syrischen Praktikanten in Donau-Ries wurde diese Kooperation in 2019 forciert. „Das ist auf jeden Fall ein Thema, an dem wir weiterarbeiten werden“, sagt Köster.

Die jordanische Kommune Jerash hat rund 40.000 Einwohner, daneben leben etwa 20.000 Geflüchtete aus Syrien in der Stadt. Der Abfallwirtschaftsverband Nordschwaben unterstützt die Kommunalverwaltung von Jerash durch Know-how zur Trennung und Verwertung von Abfällen. So will die jordanische Kommune ihre Müllprobleme in den Griff bekommen.



Zwei Frauen und acht Männer aus Jerash und aus dem Landkreis Donau-Ries haben sich zum Gruppenfoto aufgestellt.
Austausch zum Thema Müllentsorgung und Recycling. Im März 2019 begrüßte Landrat Stefan Rößle (5. von links) die Delegation aus Jerash im Landkreis. Foto: Landkreis Donau-Ries
Positives Fazit für alle Beteiligten

Geteiltes Wissen ist doppeltes Wissen

„Bei beiden Projekten – in Jordanien und bei der Qualifizierung syrischer Geflüchteter in Donau-Ries – geht es um den Transfer von Wissen, um die Ursachen sowie Folgen von Flucht und Migration besser zu bewältigen“, sagt Köster. So hätten die vier syrischen Praktikanten zahlreiche neue Kenntnisse erworben, als sie die Verwaltungsstrukturen in Donau-Ries kennenlernten. Die Praktikanten können zunächst als Multiplikatoren in ihrer Community in Deutschland ihr Wissen weitergeben und es später für den Wiederaufbau Syriens verwenden. „Indem wir die Syrer qualifizieren, geben wir ihnen nicht nur eine Perspektive in Deutschland. Wenn der Zeitpunkt kommt, werden viele Geflüchtete wieder in ihr Heimatland zurückkehren wollen und dort ihr Wissen einbringen.“

Auch der Landkreis hat vom Austausch mit den syrischen Praktikanten profitiert. „In den vielen persönlichen Begegnungen und Gesprächen ist bei den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern ein besseres Verständnis für die Situation in Syrien entstanden“, sagt Köster. „Auch was interkulturelle Kommunikation bedeutet, wurde erst richtig greifbar.“ 

Kontakt

Karl-Heinz Köster
Landratsamt Donau-Ries
Pflegstraße 2
86609 Donauwörth
Telefon: +49 906 74 675
karl-heinz.koester@lra-donau-ries.de