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2. Deutsch-Türkisches Migrationsforum

Bildungswesen im Fokus: Integrationsmaßnahmen für Geflüchtete in deutschen und türkischen Kommunen während der COVID-19 Pandemie

Durchschnittlich 60-70 Konferenzteilnehmende verfolgten am 17. Dezember 2020 das 2. Deutsch-Türkische Migrationsforum. Dieser virtuelle Side-Event im Rahmen des offiziellen Deutsch-Türkischen Migrationsdialoges wurde gemeinsam von der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) und der Servicestelle Kommunen in der Einen Welt von Engagement Global organisiert. Gefördert wurde das Forum aus Mitteln der Sonderinitiative Flucht (Fluchtursachen bekämpfen – Flüchtlinge reintegrieren) des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ).

Die Veranstaltung setzte sich zum Ziel, den Dialog zwischen deutschen und türkischen Kommunen zu Erfolgen und Herausforderungen ihrer Integrationsmaßnahmen in der COVID-19-Pandemie zu fördern und Synergien der deutsch-türkischen kommunalen Zusammenarbeit insbesondere im Bereich Bildung zu erschließen. Vor diesem Hintergrund tauschten sich die Teilnehmenden zu erfolgreichen Maßnahmen beider Länder zu den Themen frühkindliche und schulische Bildung sowie Spracherwerb und Integrationskurse für Geflüchtete in Zeiten von COVID-19 aus. Diese sollen als Grundlage zur Weiterentwicklung praxisnaher Lösungsansätze dienen, um soziale Kohäsion in den Aufnahmekommunen zu fördern.

„Kommunen rücken in globalisierter Welt näher zusammen“

Daphne Groß-Jansen aus dem BMZ-Referat Länder und Kommunen begrüßte die Teilnehmenden und zeigte auf, dass sich globale Herausforderungen nur durch gemeinsames Handeln lösen lassen. „In einer globalisierten Welt rücken die Kommunen näher zusammen“, so Groß-Jansen. So müssten gute Lösungen gefunden werden zur Eindämmung der Pandemie, zur Aufrechterhaltung der Daseinsvorsorge für alle Bürgerinnen und Bürger einschließlich der vulnerablen Gruppen als auch zur Abmilderung der mit der Pandemie verbundenen sozio-ökonomischen Auswirkungen. Wichtige Grundpfeiler bei der Bewältigung der derzeitigen Herausforderungen sind aus Sicht Groß-Jansens: Frühkindliche und schulische Bildung, die weitere Durchführung von Sprach- und Integrationskursen für Geflüchtete auch in Krisenzeiten sowie das Mitnehmen aller vulnerablen Gruppen.

Miriam Marnich vom Deutschen Städte- und Gemeindebund (DStGb) sowie Cemal Baş vom Verband der türkischen Gemeinden (TBB) führten anschließend in die Thematik ein. Aus Sicht von Miriam Marnich stehen Kommunen in Zeiten von Corona vor besonderen Herausforderungen bei der Integration von Geflüchteten und Migranten. Die Einschränkungen im Bildungsangebot, im Vereinswesen und in den Betreuungsmöglichkeiten erschweren den Zugang zu und die Möglichkeiten der Qualifikation der Geflüchteten. Cemal Baş betonte die Bedeutung von kommunalen Partnerschaften. Bereits erfolgreich durchgeführte Projekte im Rahmen der deutsch-türkischen Zusammenarbeit haben hier neue Möglichkeiten geschaffen. Durch die Corona-Pandemie stünden die Kommunen vor zusätzlichen finanziellen Herausforderungen.

Im sich anschließenden Deutsch-Türkischen Dialog folgten Impulsbeiträge aus den Kommunen Gaziantep, Istanbul Sultanbeyli, Krefeld und Osnabrück. Die Kommunen erläuterten, wie sie auf die integrationsbezogenen Herausforderungen während der Pandemie reagiert haben, um weiterhin alle Bewohnerinnen und Bewohner zu erreichen, insbesondere Kinder und Jugendliche, Vulnerable sowie Menschen mit besonderen Bedürfnissen. Es wurde diskutiert, welche Maßnahmen ergriffen werden können, um die sozio-ökonomischen Auswirkungen für vulnerable Gruppen abzumildern.

In den Strategien zur Bewältigung der Krise wurden ähnliche Vorgehensweisen der deutschen und türkischen Kommunen deutlich, so zum Beispiel beim Zugang der Geflüchteten zu den Bildungsinstitutionen und bei der Aufrechterhaltung der Kontakte der Verwaltung zu den geflüchteten Familien. Ein wesentlicher Unterschied besteht darin, dass die türkischen Kommunen mit einer deutlich höheren Anzahl von Geflüchteten konfrontiert sind. Die Kommunen in Deutschland haben überdies den Vorteil, auf der Grundlage klar definierter gesetzlicher Grundlagen handeln zu können. Darüber hinaus stehen diesen für die Integration spezielle Haushaltsmittel zur Verfügung.

Projekte in der Türkei und Kooperationsmöglichkeiten für deutsche und türkische Kommunen

Im zweiten Teil der Veranstaltung stellten UNICEF, die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) und die GIZ ihre Projekte in der Türkei vor. Engagement Global mit ihrer Servicestelle Kommunen in der Einen Welt zeigte Kooperationsmöglichkeiten für deutsche und türkische Kommunen im Rahmen der Initiative „Kommunales Know-How für Nahost“ auf. Diese unterstützt die Partnerschaftsarbeit zwischen Aufnahmekommunen aus Deutschland und der Türkei. „Die Herausforderungen der heutigen Zeit werden lokal erlebt. Die Lösungsansätze zur Bewältigung dieser Herausforderungen können auch am besten lokal entwickelt werden“, so Angela König. Veranschaulicht wurde die mögliche Projektarbeit anhand der Beispiele Tepebasi mit Treptow-Köpenick und Mannheim mit Kilis.

Eine weitere Möglichkeit für den kommunalen Fachaustausch über die mit der Pandemie verbundenen kommunalen Herausforderungen bietet das COVID-19-Programm von Connective Cities, wie Angela König berichtete. Seit Juni 2020 tauschten sich auf über 20 virtuellen Veranstaltungen insgesamt 256 Kommunen mit circa 1.000 Beteiligten aus zu Themen wie lokale Wirtschaftsförderung in Krisenzeiten, Bildung, Digitalisierung, öffentliche Gesundheitsversorgung oder Kommunikation in der Krise. Der Fachaustausch zu Lernerfahrungen in der Corona-Krise der Internationalen Städteplattform für Nachhaltige Entwicklung Connective Cities wird in 2021 fortgesetzt.

Die Veranstaltung endete mit einem Gespräch über Herausforderungen und Lösungsansätze zur Sicherstellung von schulischen Bildungsmaßnahmen für Kinder und Jugendliche von geflüchteten Familien in Zeiten von COVID-19. Die Beteiligten waren sich einig, dass Schule mehr als Unterricht und Wissensvermittlung bietet. Sie gibt Kindern und Familien Sicherheit, Struktur sowie Erfahrungen auf sozialer und emotionaler Ebene. Die Interaktion zwischen Schülerinnen und Schülern mit ihren Lehrerinnen und Lehrern unter Einbeziehung der Eltern kann Distanzunterricht nicht leisten.

Die durch die Veranstaltungen gewonnenen Impulse und Anknüpfungspunkte werden nun von den Vertreterinnen und Vertretern aus den deutschen und türkischen Kommunen weiterentwickelt. Sie sollen - wenn es die Pandemiesituation zulässt - im Rahmen einer Präsenzveranstaltung weiter vertieft werden.

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