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Peer-to-Peer Workshop und Besuchsprogramm in Gaziantep

Erfahrungsaustausch über Strategien und Ergebnisse zur Integration syrischer Flüchtlinge in den aufnehmenden Kommunen

Drei Tage lang, vom 12. bis 14. September 2017, trafen sich im türkischen Gaziantep Teilnehmende eines internationalen Peer-to-Peer-Workshops, die dort auch ein umfassendes Besuchsprogramm wahrnahmen. Organisiert wurde die Konferenz durch das Qudra-Programm – einem regionalen Programm, das durch die Madad-Stiftung der Europäischen Union und das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) finanziert wird – zusammen mit der Servicestelle für Kommunen in der Einen Welt (SKEW) von Engagement Global und der türkischen Nichtregierungsorganisation Association for Solidarity with Asylum Seekers and Migrants (ASAM).

Ziel des Workshops war zum einen ein vertiefter Erfahrungsaustausch von deutschen, türkischen und anderen europäischen Kommunen über Strategien, Instrumente und Ergebnisse bisheriger Maßnahmen zur Integration syrischer Flüchtlinge in den aufnehmenden Kommunen. Zum anderen ging es um das gemeinsame Lernen und den Austausch über Instrumente zur Förderung der Partizipation von Flüchtlingen in den Planungsprozessen und bei der Umsetzung von kommunalen Integrationsmaßnahmen.

Rund 30 Personen nahmen am Workshop teil: Vertreterinnen und Vertreter der türkischen Städte Hatay, Adana, Kilis, Sanliurfa, Tepebasi/Eskisehir, Gaziantep, Istanbul und Ankara, Mitarbeitende der GIZ aus Jordanien, Libanon und der Türkei, Mitarbeitende der türkischen Nichtregierungsorganisation (NRO) ASAM sowie drei weitere Vertreter aus dem europäischen Ausland (Island und Kroatien).

Während des Workshops waren die Beiträge der Moderierenden und Teilnehmenden fachbezogen und qualifiziert. Die Diskussionsatmosphäre erlaubte einen intensiven Austausch, der teilweise anhand von den kommunalen Vertretern hergestellten Postern mit Einzelprofilen erfolgte. Lebhaft wurde der Begriff „fake participation“ debattiert, die Aufforderung zur Meinungsabgabe, ohne ausreichende Informationen oder Zeit zur Meinungsbildung zu haben und ohne zu wissen, was mit der abgegebenen Meinung passiert. Partizipation hieße auch immer, ohne Angst vor Sanktionen „nein“ sagen zu können. In der Auswertung wurde die hohe Qualität der beiden Moderierenden hervorgehoben, die durch ihre Offenheit und Empathie Austausch und gemeinsames Lernen ermöglichten. Die Mehrheit der kommunalen Akteure betonte die Notwendigkeit einer größeren Autonomie der Kommunen für Integrationsmaßnahmen, da die jeweilige örtliche Situation sehr unterschiedlich sei. Zudem setzten sie sich für eine Berücksichtigung der Zahl der Flüchtlinge bei den finanziellen Zuweisungen der zentralen Institutionen ein. Die Zusammenarbeit mit nationalen und internationalen NRO wurde grundsätzlich positiv gesehen, allerdings sei für die Nachhaltigkeit der Maßnahmen und Projekte eine starke koordinierende Rolle der Kommunen notwendig.

Am Donnerstag, den 14. September 2017, begleitete Önder Yalcin, der Direktor des städtischen Amtes für Integration in Gaziantep, die Workshop-Teilnehmenden beim Besuch von zwei Integrationsprojekten. Im Ensar Community Centrum werden überwiegend syrische, aber auch türkische Kinder und Erwachsene, von syrischen und türkischen Lehrerinnen und Lehrern unterrichtet. Der zweite Besuch fand im Children Art Center statt, das von der Kulturbehörde der Stadt unterhalten wird. Während der Sommerpause stellten hier türkische und syrische Kinder zusammen mit Kunstschaffenden Kunstwerkte her, die im Gebäude ausgestellt wurden.

Am Nachmittag desselben Tages wurden zwei weitere, von ASAM betreute Zentren, besucht. Im Peace and Art Centre wurden bis vor kurzem syrische Kinder unterrichtet und zusammen mit türkischen Kindern durch ein umfassendes Freizeitprogramm gefördert. Der Unterricht musste kürzlich eingestellt werden, da die Verfahren zur Lizensierung von Unterrichtskursen vom Erziehungsministerium geändert worden waren. Das Zentrum wird über das Qudra-Projekt finanziert. GIZ und ASAM gehen davon aus, dass bald wieder Unterricht möglich sein wird. In der zweiten Einrichtung, dem Yesilsu Multi Service Support Zentrum, finden soziale, rechtliche und gesundheitliche Beratungen, Sprachkurse und andere Kurse für Geflüchtete aller Altersgruppen statt. ASAM hat dort das Büro für ihre Arbeit in der Südostregion.