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Libanesische Kommunen auf Austauschbesuch im Westallgäu

Bundesminister Dr. Gerd Müller würdigt das Engagement der Kommunen und sagt weitere Unterstützung zu

Finanziert über das Schnellstarterpaket I im Rahmen der Initiative "Kommunales Know-how für Nahost" fand vom 07. - 14. Mai 2018 ein Besuch von Vertreterinnen und Vertretern aus sechs libanesischen Kommunen in den Kommunen Heimenkirch, Amtzell, Gestratz, Hergatz und Opfenbach statt.Es handelte sich um den Gegenbesuch der libanesischen Delegation, nachdem im November 2017 die deutschen Kommunen bereits den Libanon besucht und erste Kontakte geknüpft hatten.

Die 18 libanesischen Gäste, darunter Bürgermeister, Entwicklungskoordinatoren, Fachexperten und ehrenamtliche Helfer aus den Kommunen Ghazzée, Bwarej, Bar Elias, Rasha’ine, Al Mohammara und der Union von Minnieh hatten ein umfangreiches Programm.

Ein Höhepunkt war gleich am ersten Tag die Teilnahme von Bundesminister Dr. Gerd Müller an einem Mittagessen in Amtzell. Er zeigte sich beeindruckt von der großen Leistung der libanesischen Kommunen, in denen teilweise die Zahl der syrischen Geflüchteten die Zahl der lokalen Bevölkerung um ein Vielfaches übersteigt. Mit konkreten Fragen nach der Wohnsituation, der Situation in den Schulen, sowie der Organisation von Unterstützungsmaßnahmen durch internationale Organisationen forderte er die Bürgermeister aus den libanesischen Kommunen auf, ihre Situation und ihre Herausforderungen im Alltag zu beschreiben. Diese beantworteten gerne die Fragen und ein Dialog über die sinnvollsten Maßnahmen zur Verbesserung der Situation entstand. Eine Bauingenieurin, die nachmittags in einer Schule in El Mohammara geflüchtete Kinder unter beengten Bedingungen unterrichtet, berichtete von ihrer Arbeit und den Herausforderungen der Arbeit mit Kindern, die vor dem Krieg fliehen mussten. Insgesamt sind die Bedarfe an konkreter Unterstützung und an Know-how Transfer weiterhin riesig.

Der Minister bezeichnete den Wissensaustausch zwischen den sechs libanesischen Kommunen und den fünf Kommunen aus dem Westallgäu als Modellprojekt, für das er sich weiter einsetzen wird. Über den Tag hinausgehende Partnerschaften würden aufgebaut und konkrete Verbesserungen für die Situation von Geflüchteten und lokaler Bevölkerung könnten gemeinsam geplant und umgesetzt werden. Das Programm solle weiter gestärkt werden.

Während ihres Aufenthaltes im Westallgäu besuchten die libanesischen Gäste vor allem Einrichtungen der kommunalen Daseinsvorsorge, unter anderem eine Abfallvergasungsanlage und eine Biogasanlage in Amtzell, den Abwasserverband Obere Laiblach – zu dem sich die Kommunen Hergatz, Heimenkirch und Opfenbach zusammengeschlossen haben – eine Schilfkläranlage in Kißleg, die Fernwasserversorgung Oberes Allgäu, den Zweckverband für Abfallwirtschaft Kempten.

Die Gäste fragten immer wieder interessiert nach, wobei die Übertragungsmöglichkeiten auf die eigene Kommune im Mittelpunkt standen und die für die Diskussionen vorgesehene Zeit hin und wieder überschritten wurde. "Was ist die Leistung der Anlage, für wie viele Personen reicht die Kläranlage aus?" Rechnet es sich in kleineren Modulen mit einer solchen Anlage zu arbeiten?" "Wieviel kostet die Abfallvergasungsanlage, im Aufbau und im Betrieb?" "Welche Qualifikationen sind für den Betrieb der Anlage notwendig?" Besonders die Zweckverbände und ihre Funktionsweise stießen auf großes Interesse: "Wie funktionieren sie?"

Ein weiterer Schwerpunkt des Austauschs mit praktischen Beispielen waren unterschiedliche Projekte der lokalen Wirtschaftsförderung und des Umweltschutzes. Dabei erhielten die Gäste auch die Gelegenheit, die alpine Landschaft und den Naturpark Nagelfluhkette kennenzulernen und bei einer Ortsbegehung Turnhalle, Dorfladen, Gemeindehaus und Feuerwehr zu besichtigen.

In Zusammenarbeit mit der Schule der Dorf- und Landentwicklung (SDL) in Thierhaupten fand eine eintägige Austauschveranstaltung statt, auf der die kommunalen Strukturen der Selbstverwaltung im Libanon und in Süddeutschland verglichen wurden. Die Handlungsmöglichkeiten für die Umsetzung gemeinsamer Projekte mit den libanesischen Kommunen wurden diskutiert und definiert.

Vor dem Rückflug in den Libanon, kurz vor Beginn des Fastenmonat Ramadan, fand in Heimenkirch am 14. Mai der Abschlussworkshop statt, auf dem die Kommunen aus dem Libanon sich in Kleingruppen mit Vertreterinnen und Vertretern aus den deutschen Kommunen trafen, um in kleiner Runde ein Feedback zum Besuchsprogramm zu geben und die Detailplanung für konkrete Projektpartnerschaften voranzutreiben. Auf Basis der Bedarfe in den libanesischen Kommunen wurden konkrete Ideen diskutiert, die mit Finanzierung durch weitere Schnellstarterpakte I und II umgesetzt werden können: Beratung bei Planung und Aufbau einer Biogasanlage, die Unterstützung bei der Einrichtung eines Gesundheitszentrums und der Austausch über kommunale Präventionsstrategien im Gesundheitsbereich, die Zusammenarbeit bei der Rehabilitation einer größeren Parkanlage, die von Geflüchteten und Einheimischen gemeinsam genutzt werden soll sowie der Bau einer kleinen Schule für Geflüchtete sowie ein Austausch über kommunale Strategien zur Verbesserung des Bildungsangebotes für Flüchtlinge. Mit der Schule der Dorf- und Landesentwicklung soll der Kontakt weiterhin gepflegt werden. Eine Fortbildung über die Erstellung von Entwicklungsplänen oder die Gründung und Arbeitsstrukturen eines Zweckverbandes werden überlegt. Hospitationen können ein weiterer interessanter Ansatzpunkt der Wissensvermittlung sein.

Alle Beteiligten lobten die gute Organisation des Aufenthaltes. Neben den konkreten Projekten, die in naher Zukunft umgesetzt werden sollen, wurde die Bedeutung des kulturellen Austauschs unterstrichen, der in dieser gemeinsamen Woche zu wichtigen Annäherungen geführt hat.