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Die Welt ins Dorf geholt! Zwischenbilanz der Projektkooperation Allgäu - Libanon

Perspektivworkshop der Allgäuer Kommunen im November 2019

Ende des Jahres 2017 konnte sich in den Allgäuer Kommunen Amtzell, Gestratz, Heimenkich, Hergatz und Opfenbach noch niemand vorstellen, was mit einer Informationsreise in den Libanon in Gang gesetzt werden sollte. Heute, gut zwei Jahre später, sind alle Beteiligten um viele Erfahrungen und Kontakte reicher, und der Libanon, Ziel Hundertausender geflüchteter Menschen aus dem Bürgerkriegsland Syrien, ist kein weißer Fleck mehr auf der Landkarte. Im November 2017 reisten 14 Kommunalvertreterinnen und -vertreter in den Libanon, um Möglichkeiten für Projektpartnerschaften mit den grenznahen Kommunen zu erkunden, die besonders mit der Flüchtlingskrise zu kämpfen hatten. Aus dieser Initialreise sind viele Kontakte und Projekte entstanden - mit Städten und Gemeinden im Libanon, aber auch untereinander. Inzwischen gibt es Projekte mit sechs libanesischen Kommunen. Viele Höhepunkte und Erfolge konnten verzeichnet werden, aber es gab auch Hindernisse zu überwinden.

Am 4. November 2019 trafen sich die Allgäuer Akteurinnen und Akteure mit den Projektverantwortlichen der Servicestelle Kommunen in der Einen Welt (SKEW) zu einem Workshop, um die bisherigen Projektkooperationen auszuwerten und sich zu zukünftigen Entwicklungsmöglichkeiten auszutauschen. Zunächst erarbeiteten die Teilnehmenden eine Bestandsaufnahme. Was waren die Ziele damals, was konnte erreicht werden? Was war positiv, was negativ? Was kann verbessert werden?

Ursprung des Engagements war der Wunsch, die Kommunen im Libanon bei der Bewältigung der Auswirkungen des Bürgerkriegs in Syrien zu unterstützen. Hierzu hieß es in der eigenen Kommune zu informieren, untereinander zu beraten und Begeisterung zu wecken. Die passende libanesische Kommunen musste gefunden, Projekte gemeinsam entwickelt werden.

Als großen Erfolg bewerteten die Projektbeteiligten die vertrauensvolle Zusammenarbeit der Allgäuer Kommunen untereinander. Im neu gegründeten Interkommunalen Libanon-Ausschuss (ILAA) werden regelmäßig Erfahrungen ausgetauscht und Projektfortschritte diskutiert. Es ist gelungen, die Bevölkerung für das Thema zu sensibilisieren und in Aktionen einzubinden. Auch die Außenwirkung des Engagements für die Kommune und die damit einhergehende wertschätzende Berichterstattung wurden sehr positiv gewertet. Inzwischen hat sich mit Kißlegg noch eine sechste Kommune dem Projekt angeschlossen. Weitere Städte und Gemeinden sind interessiert. Die SKEW, als Durchführungsorganisation des Programms, und die lokale Unterstützungsorganisation im Libanon, Democracy Reporting International (DRI) werden als verlässliche Partner geschätzt.

Die Partnerschaftsarbeit mit den libanesischen Kommunen war in der ersten Zeit geprägt von Beziehungsaufbau und gegenseitigen Besuchen. Die persönlichen Begegnungen und Kontakte sind eine wichtige Basis für die Projektarbeit und füllen diese mit Leben. Schwierigkeiten in der Kommunikation traten dann auf, wenn die gegenseitigen Erwartungen stark voneinander abwichen, wenn das Hierarchieverständnis unterschiedlich oder die Strukturen unübersichtlich waren. Die Benennung von verlässlichen interkulturell kompetenten Ansprechpartnerinnen und –partnern sowie die gemeinsame Klärung der Ziele sind Schlüssel für eine positive Entwicklung in den Projektpartnerschaften.

Die Teilnehmenden merkten an, dass für einige der Projektschritte große bürokratische Hürden zu meistern seien. Die Antragsstellung im Rahmen des geförderten Programms wird als zeitintensiv und mühsam empfunden, zumal sich die meisten Allgäuerinnen und Allgäuer ehrenamtlich für das Projekt engagieren. Neben einer Vereinfachung der Formulararbeit wünsche man sich auch mehr Handlungsspielraum bei der Kooperation mit NGOs. Grundsätzlich sind jedoch alle von dem als glaubhaft und realistisch bewerteten Projektansatz überzeugt. Mit dem Libanon-Projekt habe man sich „die Welt ins Dorf geholt“ und das interkulturelle Verständnis in den Kommunen gestärkt.

 

Hier erfahren Sie mehr über die Projektzusammenarbeit der Kommunen:
Link zu unserem Video "Sondierungsreise in den Libanon - Prozess der Anbahnung Kommunaler Projektpartnerschaften"
Link unserem Bericht über den Austauschbesuch libanesischer Kommunen im Westallgäu

 

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