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Austauschbesuch libanesischer Kommunen im Westallgäu

Hintergrund

Finanziert über das Schnellstarterpaket I fand vom 07. - 14. Mai 2018  ein Besuch von Vertreterinnen und Vertretern aus sechs libanesischen Gemeinden (Al-Mohammara, Bar Elias, Bwarej, Ghazzé, Rachiine sowie der Union Minieh) in den Kommunen Heimenkirch, Amtzell, Gestratz, Hergatz und Opfenbach statt. Es handelte sich um den Gegenbesuch der libanesischen Delegation, nachdem im November 2017 Vertreterinnen und Vertreter der deutschen Kommunen bereits den Libanon besucht und erste Kontakte geknüpft hatten. Die sechs libanesischen Gemeinden haben seit Beginn des Bürgerkrieges in Syrien eine große Zahl Geflüchteter in ihren Kommunen aufgenommen.

 

Die Zahlen dazu sind beeindruckend: Al-Mohammara mit ca. 8.000 Einwohnern hat 40.000 palästinensische und 10.000 syrische Geflüchtete aufgenommen. Bar Elias (50.000 Einwohner) beherbergt über 200.000 syrische Geflüchtete. In Bwarej mit ca. 3.000 Einwohnern leben 800 Geflüchtete. Ghazzé mit 6.500 Einwohner hat über 35.000 syrische Geflüchtete aufgenommen. Rachiine mit 4.000 Einwohnern bietet 300 syrischen Geflüchteten eine Unterkunft und die Union Minieh hat bei ca. 100.000 Einwohnern etwa 35.000 syrische Geflüchtete aufgenommen.

Die Aufgaben im Bereich der kommunalen Daseinsvorsorge konnten in den libanesischen Kommunen bereits vor der Flüchtlingskrise  nur schwer erfüllt werden. Die hinzugekommenen Geflüchteten stellen diese Gemeinden nun aber vor Aufgaben, die ohne Unterstützung von außen nicht zu lösen sind. Die Gemeinden stehen zumeist vor ähnlichen Herausforderungen, zeichnen sich[ aber durch eine hohe Bereitschaft aus, diese Probleme im Sinne der Geflüchteten und der libanesischen Bevölkerung zu lösen.

Teilnehmende der Delegationsreise in den Libanon besprechen sich
Teilnehmde der Delegationsreise in den Libanon; Foto: Engagement Global / SKEW
Besuch im Westallgäu

Praxisbeispiele und Übertragungsmöglichkeiten

BehrerePersonen besichtigen ein Wasserbecken des Klärwerks in Hergatz
Besuch des Klärwerks in Hergatz. Foto: Arno Leisen

Während ihres Aufenthaltes im Westallgäu besuchten die libanesischen Gäste vor allem Einrichtungen der kommunalen Daseinsvorsorge, unter anderem eine Abfallvergasungsanlage und eine Biogasanlage in Amtzell, den Abwasserverband Obere Laiblach – zu dem sich die Kommunen Hergatz, Heimenkirch und Opfenbach zusammengeschlossen haben – eine Schilfkläranlage in Kißleg, die Fernwasserversorgung Oberes Allgäu und den Zweckverband für Abfallwirtschaft Kempten. Hierbei standen jeweils die Übertragungsmöglichkeiten auf die libanesischen Kommunen im Mittelpunkt. 

Ein weiterer Schwerpunkt des Austauschs mit praktischen Beispielen waren unterschiedliche Projekte der lokalen Wirtschaftsförderung und des Umweltschutzes. Dabei erhielten die Gäste auch die Gelegenheit, die alpine Landschaft und den Naturpark Nagelfluhkette kennenzulernen und bei einer Ortsbegehung Turnhalle, Dorfladen, Gemeindehaus und Feuerwehr zu besichtigen. In Zusammenarbeit mit der Schule der Dorf- und Landentwicklung (SDL) in Thierhaupten fand eine eintägige Austauschveranstaltung statt, auf der die kommunalen Strukturen der Selbstverwaltung im Libanon und in Süddeutschland verglichen wurden. Die Handlungsmöglichkeiten für die Umsetzung gemeinsamer Projekte mit den libanesischen Kommunen wurden diskutiert und definiert.

Ergebnisse

Entwicklung konkreter Projekte und ihre Umsetzung

In Heimenkirch fand am 14. Mai 2018 der Abschlussworkshop statt, auf dem die Kommunen aus dem Libanon sich in Kleingruppen mit Vertreterinnen und Vertretern aus den deutschen Kommunen trafen, um ein Feedback zum Besuchsprogramm zu geben und die Detailplanung für konkrete Projektpartnerschaften voranzutreiben.

Auf Basis der Bedarfe in den libanesischen Kommunen wurden konkrete Ideen diskutiert, die mit Finanzierung durch weitere Schnellstarterpakte I und II umgesetzt werden können: Beratung bei Planung und Aufbau einer Biogasanlage, die Unterstützung bei der Einrichtung eines Gesundheitszentrums und der Austausch über kommunale Präventionsstrategien im Gesundheitsbereich, die Zusammenarbeit bei der Rehabilitation einer größeren Parkanlage, die von Geflüchteten und Einheimischen gemeinsam genutzt werden soll sowie der Bau einer kleinen Schule für Geflüchtete sowie ein Austausch über kommunale Strategien zur Verbesserung des Bildungsangebotes für Flüchtlinge. Mit der Schule der Dorf- und Landesentwicklung soll der Kontakt weiterhin gepflegt werden. Eine Fortbildung über die Erstellung von Entwicklungsplänen oder die Gründung und Arbeitsstrukturen eines Zweckverbandes werden überlegt. Hospitationen können ein weiterer interessanter Ansatzpunkt der Wissensvermittlung sein.

Sechs Personen siten um einen Tisch und besprechen sich
Die Teilnehmenden im Gespräch. Foto: Arno Leisen
Türkei, Jordanien, Libanon

Beispiele für erfolgreiche kommunale Partnerschaftsprojekte